Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Das 20-jährige Jubiläum steht vor der Tür

Im Herbst 1989 war es, als ich auf die Idee kam, mein bis dahin gesammeltes Wissen über Wehrdienstvermeidung in Form eines “Anti-Wehrdienst-Reportes” zu veröffentlichen. Im Oktober 1989 schrieb ich die erste Fassung, das waren damals 25 zusammengeheftete DIN A4 Seiten, die ich auf meiner gelb-schwarzen Olympia Monika-Schreibmaschine runtergetippt und in einem Copyshop vervielfältigt hatte. Im November 1989 konnte ich nach langen Diskussionen mit den Verantwortlichen bei unserer hiesigen Tageszeitung, dem Südkurier, eine Kleinanzeige im “Mittwochmarkt” veröffentlichen. “Sie müssen zum Bund, obwohl Sie nicht wollen, bzw. Sie sind schon dabei und wollen weg? Tel. 07751-5446″ lautete der Text, den ich veröffentlichen durfte. Das von mir ursprünglich geplante “Kein Bock auf Wehr-und Zivildienst..” war der spießigen Anzeigenredaktion zu gewagt, in einer konservativen Beamtenstadt wie Waldshut. Doch auch der gemäßigte Anzeigentext hatte Erfolg und so konnte ich meine Anzeigenkampagne auch auf die Badische Zeitung, den Schwarzwälder Boten usw. ausdehnen. Bereits im Februar 1990 erzielte ich einen Umsatz von 4550 DM durch den Verkauf meiner Broschüre. Dies war für mich mehr als Grund genug, sämtliche anderen Tätigkeiten einzustellen und mich fortan hauptberuflich als Ausmusterungsberater zu betätigen. Der offizielle Start meiner selbständigen Tätigkeit war somit der 1. März 1990. Das ist vom heutigen Tag (21. Januar 2010) an nun fast 20 Jahre her. Meine treue Seele, Susanne Pasternak, die vielen aktuellen und ehemaligen Kunden in guter Erinnerung ist, arbeitet zwischenzeitlich auch schon 14 Jahre voll beschäftigt bei mir und hat vielen tausend Kunden erfolgreich zur Ausmusterung verholfen.

Warum ich dies alles jetzt gerade schreibe? Vorhin erhielt ich eine E-Mail. Der Text: “Hallo Herr Zickenrott, ich war damals einer ihrer ersten Kunden und ich bin immer noch froh, wie gut das damals geklappt hat. Nun ist es bei meinem Sohn soweit, er müsste in Kürze mit seinem Zivildienst beginnen, was er nicht möchte. Bitte helfen Sie ihm.” Ich rief ihn an, und wir unterhielten uns eine Weile. Er berichtete, das er damals bei mir in Waldshut war usw. usw.. Er wird in den nächsten Tagen mit seinem Sohn nach Waldshut kommen. Das Gespräch machte mich sehr nachdenklich. Ich verhalf dem Vater zur Ausmusterung und nun werde ich seinem Sohn zur Ausmusterung verhelfen. Vielleicht bin ich ein wenig sentimental, aber das berührt mich doch ziemlich.

Ich verspüre eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich in den letzten 20 Jahren ein zumindest finanziell sorgenfreies Leben führen durfte, wenn es auch sonst nicht immer leicht war. Es ist nur wenigen Menschen vergönnt, ihren Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit zu bestreiten, die so sehr den persönlichen Einstellungen und Neigungen entspricht, wie dies bei mir der Fall ist. Diese Einstellungen und Neigungen sind es vermutlich auch, die mich die staatlichen Repressalien vor allem in den neunziger Jahren aushalten ließen. Repressalien, mit denen “demokratische Systeme” in welchen “Pressefreiheit” und “das Recht auf freie Meinungsäußerung” herrschen und in denen “keine Zensur stattfindet”, versuchen, Menschen wie mich zum Schweigen zu bringen.

Man versuchte mich zu kriminalisieren, überzog mich mit Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren, kramte das alte (Nazi)-Rechtsberatungsgesetz heraus und versuchte, mir damit einen Strick zu drehen. Schlussendlich hetzte man mir die Steuerfahndung auf den Hals. Letztendlich waren alle diesbezüglichen Bemühungen zum Glück erfolglos, so das ich weiterhin zum Wohle meiner Kunden tätig sein darf. Somit werde ich wohl auch noch die nächsten 20 Jahre Ausmusterungsberater sein, wenn sich in der Politik nicht irgendwann einmal die Intelligenz durchsetzen sollte und die Wehrpflicht endlich abgeschafft wird.

Freundliche und dankbare Grüße 

Peter Zickenrott

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