Schlagwort: Wehrpflicht

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Das 20-jährige Jubiläum steht vor der Tür

21. Januar 2010

Im Herbst 1989 war es, als ich auf die Idee kam, mein bis dahin gesammeltes Wissen über Wehrdienstvermeidung in Form eines “Anti-Wehrdienst-Reportes” zu veröffentlichen. Im Oktober 1989 schrieb ich die erste Fassung, das waren damals 25 zusammengeheftete DIN A4 Seiten, die ich auf meiner gelb-schwarzen Olympia Monika-Schreibmaschine runtergetippt und in einem Copyshop vervielfältigt hatte. Im November 1989 konnte ich nach langen Diskussionen mit den Verantwortlichen bei unserer hiesigen Tageszeitung, dem Südkurier, eine Kleinanzeige im “Mittwochmarkt” veröffentlichen. “Sie müssen zum Bund, obwohl Sie nicht wollen, bzw. Sie sind schon dabei und wollen weg? Tel. 07751-5446″ lautete der Text, den ich veröffentlichen durfte. Das von mir ursprünglich geplante “Kein Bock auf Wehr-und Zivildienst..” war der spießigen Anzeigenredaktion zu gewagt, in einer konservativen Beamtenstadt wie Waldshut. Doch auch der gemäßigte Anzeigentext hatte Erfolg und so konnte ich meine Anzeigenkampagne auch auf die Badische Zeitung, den Schwarzwälder Boten usw. ausdehnen. Bereits im Februar 1990 erzielte ich einen Umsatz von 4550 DM durch den Verkauf meiner Broschüre. Dies war für mich mehr als Grund genug, sämtliche anderen Tätigkeiten einzustellen und mich fortan hauptberuflich als Ausmusterungsberater zu betätigen. Der offizielle Start meiner selbständigen Tätigkeit war somit der 1. März 1990. Das ist vom heutigen Tag (21. Januar 2010) an nun fast 20 Jahre her. Meine treue Seele, Susanne Pasternak, die vielen aktuellen und ehemaligen Kunden in guter Erinnerung ist, arbeitet zwischenzeitlich auch schon 14 Jahre voll beschäftigt bei mir und hat vielen tausend Kunden erfolgreich zur Ausmusterung verholfen.

Warum ich dies alles jetzt gerade schreibe? Vorhin erhielt ich eine E-Mail. Der Text: “Hallo Herr Zickenrott, ich war damals einer ihrer ersten Kunden und ich bin immer noch froh, wie gut das damals geklappt hat. Nun ist es bei meinem Sohn soweit, er müsste in Kürze mit seinem Zivildienst beginnen, was er nicht möchte. Bitte helfen Sie ihm.” Ich rief ihn an, und wir unterhielten uns eine Weile. Er berichtete, das er damals bei mir in Waldshut war usw. usw.. Er wird in den nächsten Tagen mit seinem Sohn nach Waldshut kommen. Das Gespräch machte mich sehr nachdenklich. Ich verhalf dem Vater zur Ausmusterung und nun werde ich seinem Sohn zur Ausmusterung verhelfen. Vielleicht bin ich ein wenig sentimental, aber das berührt mich doch ziemlich.

Ich verspüre eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich in den letzten 20 Jahren ein zumindest finanziell sorgenfreies Leben führen durfte, wenn es auch sonst nicht immer leicht war. Es ist nur wenigen Menschen vergönnt, ihren Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit zu bestreiten, die so sehr den persönlichen Einstellungen und Neigungen entspricht, wie dies bei mir der Fall ist. Diese Einstellungen und Neigungen sind es vermutlich auch, die mich die staatlichen Repressalien vor allem in den neunziger Jahren aushalten ließen. Repressalien, mit denen “demokratische Systeme” in welchen “Pressefreiheit” und “das Recht auf freie Meinungsäußerung” herrschen und in denen “keine Zensur stattfindet”, versuchen, Menschen wie mich zum Schweigen zu bringen.

Man versuchte mich zu kriminalisieren, überzog mich mit Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren, kramte das alte (Nazi)-Rechtsberatungsgesetz heraus und versuchte, mir damit einen Strick zu drehen. Schlussendlich hetzte man mir die Steuerfahndung auf den Hals. Letztendlich waren alle diesbezüglichen Bemühungen zum Glück erfolglos, so das ich weiterhin zum Wohle meiner Kunden tätig sein darf. Somit werde ich wohl auch noch die nächsten 20 Jahre Ausmusterungsberater sein, wenn sich in der Politik nicht irgendwann einmal die Intelligenz durchsetzen sollte und die Wehrpflicht endlich abgeschafft wird.

Freundliche und dankbare Grüße 

Peter Zickenrott

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Ab Januar 2011 nur noch 6 Monate Wehrpflicht… soll man sich darüber jetzt etwa freuen?

23. Oktober 2009

Für einen Menschen, dessen berufliche Tätigkeit vor 20 Jahren aus der totalen Ablehnung der Wehrpflicht heraus entstanden ist, müsste es doch eigentlich ein Erfolg sein. Endlich wieder ein bißchen weniger Belastung für die Betroffenen, endlich wieder ein Stück weniger von dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit…. von wegen, genau das Gegenteil ist Fall. Die militärische Manipulation der Betroffenen geschieht in der Grundausbildung, der Rest ist meist stumpfsinniges “Absitzen” der Dienstzeit. Es bessert sich also gar nichts, ganz im Gegenteil.

 Wenn z.B. 100.000 Menschen 9 Monate Dienst schieben, dann sind das 900.000 abgeleistete Dienstmonate. Teilt man diese 900.000 Dienstmonate nun durch die ab Januar 2011 gültige Dienstzeit von 6 Monaten dann kann man statt 100.000 Menschen jetzt 150.000 im gleichen Zeitraum einberufen und hat - natürlich so ganz nebenbei und bestimmt auch rein zufällig - das Problem der Wehrungerechtigkeit gelöst oder zumindest verkleinert. Das stärkste Argument der Wehrpflichtgegner wird also ganz massiv geschwächt und die Befürworter einer Berufsarmee sowie alle, die für die Aussetzung der so ungerechten Wehrpflicht sind, werden einen schweren Stand haben… Na wenn das mal kein genialer Schachzug war…

Der Clou dabei ist, dass das dumme Volk sich auch noch gut dabei fühlen wird, weil es die Hinterlistigkeit, mit der es hier beschissen wird, nicht zu erkennen vermag. Die FDP kann sich diesen “Erfolg” auf die Fahnen schreiben und alle sind glücklich. Und die paar Wenigen, die das üble Spiel, das in erster Linie dazu dient, der Fortbestand der Wehrpflicht zu sichern, durchschauen, die kann man aus Politikersicht getrost vergessen. Armes Deutschland!

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Fernsehbeitrag Ausmusterung am Donnerstag 13.9. ARD 23:30 in der Sendung Polylux

12. September 2007

Derzeit herrscht wieder reges Interesse der Medien an meiner Arbeit. So war ich als “Master of Ausmusterung” (war nicht meine Wortschöpfung) gestern (Mi. 11.9.07) für ein Fernsehinterview und einen Beitrag zum Thema Wehrgerechtigkeit in Berlin, einige Tage zuvor hatte ich ein längeres Radiointerview mit dem Jugendradio des Saarländischen Rundfunks und ein paar Zeitungsartikel zum Thema gab es in letzter Zeit auch. Wer mich also mal live rumstottern sehen möchte, kann ja am Donnerstag Abend die Glotze anwerfen. Die Sendung Polylux ist ja ein etwas satirisch angehauchtes Magazin, ich weiß demnach nicht, ob ich oder die Bundeswehr in die Pfanne gehauen werden. Mir hat man versprochen die Bundeswehr “auf den Arm zu nehmen” , denen möglicherweise, mich lächerlich zu machen… Na ja, hoffen wir mal das Beste.

Freundliche Grüße aus dem Schwarzwald

Peter Zickenrott

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Die Denkweise meiner Kritiker - und meine Antwort

6. Januar 2007

Immer wieder erhalte ich aufgrund meiner Arbeit kritische Zuschriften. Hier mal der heutige Dialog zwischen mir und einem Wehrdienst- und Militärbefürworter.

 

Sehr geehrter Herr XXXX,

zunächst einmal vielen Dank dafür, das Sie Ihre Kritik an meiner Arbeit sachlich vorbringen und sich nicht - wie leider viele Ihrer “Berufsgenossen” - zu sinnlosen Beleidigungen hinreißen lassen. (Die Anführungszeichen bei dem Wort Berufsgenossen deshalb, weil ich diese Bezeichnung für Ihre Tätigkeit wahrscheinlich als genauso unpassend empfinde, wie Sie die Bezeichnung Handwerk für meine Tätigkeit) Daher nehme ich mir auch gerne die Zeit, Ihre E-Mail ausführlich zu beantworten. Ich werde zunächst innerhalb Ihres Textes zu Ihren einzelnen Aussagen Stellung nehmen und am Schluss noch eine abschließende Zusammenfassung schreiben. Möglicherweise werden Sie einige meiner Aussagen als provozierend empfinden, dies ist jedoch nicht so gemeint.

—– Original Message —–
From: XXXXXX
Sent: Saturday, January 06, 2007 2:49 AM
Subject: zu Hd. Herrn Zickenrott

> Sehr geehrter Herr Zickenrott,
>
> ich möchte vorab darauf hinweisen das ich nur durch Zufall auf ihre
> Webseite gestoßen bin.

Hier würde mich natürlich interessieren, was dies für ein Zufall war, nach was Sie gesucht haben.

> Ausserdem möchte ich sie bitten diese wenn auch etwas längere Mail
> zu Ende zu lesen. Vielleicht eröffnet ihnen das eine neue Perspektive.

Selbstverständlich lese ich sie zu Ende, glaube allerdings kaum, dass sich mir daraus eine neue Perspektive eröffnet. Ich mache meine Arbeit sehr wohl überlegt und dies schon seit mittlerweile 17 Jahren. Auch viele Jahre zuvor beschäftigte ich mich schon ausführlich mit dem Thema Militarismus, Wehrdienst und so weiter. Sie können sich sicher vorstellen, dass ich in dieser Zeit schon sehr viele kritische E-Mails beantwortet habe und auch mehrfach versucht habe, “die Sache” aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich gehöre sicher nicht zu der Sorte Menschen, die ihre eigene Philosophie rechthaberisch über alle anderen Denkansätze stellt, jedoch ist es bei mir so, das sich meine Meinung immer mehr verfestigt, je mehr ich mich mit der Thematik auseinander setze.

> Was ich auf ihrer Seite jedoch zu lesen bekam hat mich einerseits schockiert
> andererseits aber auch empört.

Das kann ich gut verstehen. Ich habe eine Art der Werbung gewählt, die sehr polarisierend und eventuell auch provozierend wirkt. Versuchen Sie es unter dem Aspekt zu sehen, dass der Köder dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler oder den Zuschauern.

> Die Tatsache das sie ihr, ich nenne es nun mal unpassenderweise
> “Handwerk”auch noch legal als Unternehmer durchführen dürfen
>  setzt dem ganzen erst noch den Gipfel.

Aber das sind doch genau die Werte, die Sie anscheinend so dringend verteidigen wollen. Für die Sie bereit sind (bereit gemacht wurden trifft es besser) alles was Sie haben, nämlich ihr Leben, wegzuschmeißen.

> Das sie anbieten junge Männer vor dem Wehrdienst zu “bewahren”,
> diese sogar von jeder Gesellschaftlichen Pflicht zu entbinden finde ich
> einfach nur geschmacklos.

Dies kann ich absolut nicht nachvollziehen. Kein Mensch kann etwas dafür, wo er geboren wird. Wieso sollte dann in eine wie auch immer geartete Macht das Recht besitzen, so umfangreich in das Leben eines frei geborenen Menschen einzugreifen und dies nach eigenem Gutdünken oder Belieben in einem Krieg zu beenden? Ja, ich weiß: jeder Mensch hat das Recht, nach Art. 4, Abs.3 des Grundgesetzes den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern. Ziehen Sie daraus bitte einmal den Umkehrschluss: kein Mensch hat das Recht, den Kriegsdienst ohne Waffe zu verweigern! Dies ist ein gesetzlich
sanktioniertes Verbrechen!

> Ich diene nun bereits seit 10 Jahren in der Armee unseres Landes.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über das Wort “dienen” gemacht? Ein Mensch der “dient”, akzeptiert damit automatisch, dass andere Menschen “herrschen”. Ist dies für Sie in Ordnung, nur weil es seit Jahrtausenden so
ist? Das fast alles Leid der Welt durch genau diese Struktur verursacht wird? Das die einen herrschen und diejenigen, die ihnen dienen einfach mal so aus Lust und Laune in den Tod schicken, ohne ihnen auch nur ansatzweise die Möglichkeit zu geben, die wahren Hintergründe, für die Sie sterben sollen zu erkennen?

> Ich habe in dieser Zeit dutzende und aber dutzende junge Männer die ihren
> GWD ableisten, ausgebildet, betreut und geführt. Grob geschätzt haben davon
> 70% ihren Dienst mit neutraler Einstellung beendet. 20% waren ganz sicher
> froh das sie mich nie mehr sehen mussten. Von den restlichen 10% bin ich mit
> vielen heute noch in Kontakt. Zum einen weil ich einigen jungen Männern doch
> tatsächlich ein paar Werte vermitteln konnte. Diese waren dankbar, sei es
> wegen einer anderen Sichtweise, ein wenig Lebensehrfahrung oder einfach nur
> weil sie aufgewacht sind. Ich kann mich an soviele Tränen erinnern. Als
> gestandene Männer, Soldaten sich mit Tränen in den Augen bei mir bedankten
> und sich verabschieden mussten. Männer die als faule,undisziplinierte und
> ziellose junge Burschen in meine Einheit kamen. Die die ersten Wochen
> täglich verschlafen hätten. Die nichts mit Authorität zu tun haben wollten.
> Als sie mich wieder verließen hatten sie Ziele für ihr weiteres Leben. Sie
> hatten Pläne wie die sie “draußen” verwirklichen wollten. Sie alle haben nun
> Ehrgeiz und den Biss für diese gesteckten Ziele auch etwas zu leisten. Aber
> vorallem haben sie gelernt ihre eigenen Grenzen zu erreichen und zu
> überschreiten.

Keine Frage, Armee funktioniert. Da muss ich Ihnen Recht geben. Ich kenne keinen einzigen der dabei war und dessen Sichtweise nicht zumindest ansatzweise kaputtmanipuliert wurde. Als Ausbilder wissen Sie natürlich sehr genau wovon ich hier spreche. Daher denke ich, dass ich nicht näher darauf eingehen muss, was bei einer militärischen Ausbildung passiert. Was ich jedoch überhaupt nicht akzeptieren kann ist der Umstand, dass Sie die positiven Nebenwirkungen, die eine militärische Ausbildung für manche zweifellos mit sich bringt, so in den Vordergrund stellen. Dies ist nichts als Augenwischerei, die bei Menschen funktionieren mag, die sich mit der Thematik noch nicht tief beschäftigt haben. Die positiven Nebenwirkungen einer militärischen Ausbildung mag aus manchen Menschen in Friedenszeiten tatsächlich bessere Menschen gemacht haben und ich selbst gehöre wahrscheinlich zu denen, die dort einiges hätte lernen können. Was mich anbetrifft insbesondere auf dem Gebiet eigene Grenzen erreichen und überschreiten. Aber um welchen Preis? Ein Vergleich: nehmen wir an, Sie haben Kopfschmerzen. Nun gibt es ein Medikament, das die Kopfschmerzen innerhalb von Minuten beseitigt. Das Dumme nur, Sie bekommen davon unweigerlich einen Hirntumor. Würden Sie es schlucken? Genauso ist es mit dem Militär. Es mag positive Effekte haben, die man zuerst bemerkt. Aber die negative Saat geht auf.

> Diese Lektion haben sie aber allesamt selbst gelernt. Was mich aber mit noch
> viel mehr Stolz auf diese 10% blicken lässt, ist die Tatsache das die 2te
> Hälfte der 10er mich nicht verlaßen hat. Sie haben beim Militär eine
> sinnvolle Aufgabe gefunden.

Die ganze Institution “Militär” ist doch völlig unsinnig, logischerweise kann es dann dort auch keine sinnvollen Aufgaben geben. Militär ist die Krankheit, für deren Heilung es sich hält. Wer beteiligt sich an einem Krieg? Bei uns (den zivilisierten Ländern) Menschen, die per Gesetz dazu gezwungen werden, in den armen Ländern diejenigen, die auf gut Deutsch gesagt nichts zu fressen haben und deshalb eine dramatisch schlechte Perspektive der völligen Perspektivlosigkeit vorziehen. Hätte man allein auf das Projekt “Eurofighter” verzichtet und das dafür verwendete Geld sinnvoller eingesetzt, müsste auf der ganzen Welt kein Mensch mehr verhungern und eine medizinische Grundversorgung gäbe es auch. Würden die Amerikaner ihren kompletten Verteidigungshaushalt zur Verfügung stellen, könnte die ganze Welt sogar in (wenn auch bescheidenem) Wohlstand leben. Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, wie es allen Menschen gehen könnte, wenn
alle Rüstungsausgaben der Welt sinnvoll verwendet würden. Glauben Sie im Ernst, auch nur ein einziger Mensch hätte dann noch Interesse, auf andere zu schießen, persönliche Motive einmal ausgenommen?

> Sie haben sich entschieden ihrem Land zu dienen, und zwar durch mehr als
> Steuern zahlen und wählen zu gehen.

Man kann keinem Land dienen! Das Land ist der Boden auf dem wir leben, der verlangt von uns nicht solchen Blödsinn. Es sind die herrschenden Machtstrukturen, deren wahre Hintergründe kaum jemand kennt, denen gedient wird. Und dann sind es die wenigsten, die sich dazu entschieden haben, ich schätze einmal keine 10%. Und danach darf man nicht mehr fragen, das Ergebnis wäre nichts mehr wert. Wer die militärische Gehirnwäsche (ich weiß, das Wort gefällt Ihnen nicht) durchlaufen hat, glaubt selbstverständlich von der Richtigkeit dieses Systems überzeugt zu sein. Aber mal ehrlich, was  glauben Sie: nehmen wir einmal an, der Wehrdienst würde in einem Alter stattfinden, indem die Menschen schon eine gewisse Reife und ein gewisses Verantwortungsbewusstsein entwickelt haben, sagen wir mal mit 30. Und er wäre völlig freiwillig. Wie viel Prozent würden sich daran beteiligen? Was glauben Sie, warum finden Musterung und Einberufung in einem Alter statt, in dem die Männer noch keinerlei Reife und Weitsicht besitzen, dafür den Kopf noch voll haben von jugendlicher Unbekümmertheit und vom Testosteronüberschuss ausgelöster Abenteuerlust?

> Wenn ich mich heute in der Bundeswehr umschaue finde ich im ganzen
> Bundesgebiet durch alle Laufbahnen und Waffengattungen verstreut Soldaten
> wieder die mit einer neutralen “ich will nur so schnell wie möglich wieder
> heim” Einstellung oder sogar der “verdammter Sauhaufen, ich hab kein
> Bock” Meinung zu mir kamen. Sie haben alle ihren Weg gefunden.

Falsch! Sie haben nicht “ihren Weg gefunden”, es wurde ihnen durch ein verbrecherisches Gesetz ein anderer Weg, den sie selbst jemals eingeschlagen hätten, aufgezwungen.

> Sie sind bessere Menschen geworden. Zudem meist hervorragende Soldaten.

Das eine schließt das andere nach meinem Verständnis aber aus.

> Diese Männer treten für Werte ein die es wert sind gewahrt zu
> werden.Ehre,Loyalität, Aufrichtigkeit

Was ist an dem Wert “Ehre” wert, gewahrt zu werden? ist es nicht neben seinen “hässlichen Brüdern” Tapferkeit und Vaterlandsliebe geradezu eines der verhängnisvollen Wörter, die absolut unaufrichtig dazu benutzt wurden über einfach strukturierte Menschen, welche nicht in der Lage sind, die Hintergründe zu erkennen, in unzähligen Kriegen millionenfach unsägliches Leid zu bringen?

Loyalität, tatsächlich ein Wert, über den man nachdenken kann. Echte Loyalität zu seiner Partnerin, zu einem guten Freund, zu einem fairen Arbeitgeber oder zu einer anderen Person, die diese Loyalität verdient, jederzeit, selbstverständlich. Aber im Kollektiv? Das lehrt uns doch die Geschichte, dass diese Form falsch verstandener Loyalität dann nur noch schadet. Wie sonst hätten die großen Kriege der Weltgeschichte stattfinden können?

Aufrichtigkeit: auch eine gute Sache! Aber doch nicht im militärischen Kontext. Was nützt ein “aufrichtiges Militär” wenn es keine aufrichtige Politik gibt, das Militär aber nun einmal das bedingungslos einsetzbare Instrument dieser Politik ist?

> Wir haben bei der Flutkatasrophe geholfen.Freiwillig, nicht befohlen.

Ja, die Flutkatastrophe…. schon vor vielen vielen Jahren, als dass berühmte Oderhochwasser stattfand, fand die Bundeswehr darin hervorragende Gründe, sich selbst zu rechtfertigen und ihr Bild in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Ist doch interessant, dass es dazu Katastrophen braucht. Wenn dieses Bild aber wahr wäre, dann könnte man doch alle Waffen verschrotten und die restlichen Fahrzeuge rot oder blau lackieren und Feuerwehr oder THW drauf schreiben.

> Was ich ihnen mit dieser Nachricht sagen will: Unsere Gesellschaft bzw.
> unsere Jugend verkommt mehr und mehr.

Dies ist eine der zahlreichen durch die Massenmedien manipulierten Meinungen. Es gab in den letzten 40 Jahren noch nie so viele christlich orientierte Jugendliche wie in dieser Zeit, die Zahl der Drogenkonsumenten (harter Drogen) nimmt kontinuierlich ab und es gibt noch zahlreiche andere Beispiele, die man anführen könnte. Und wenn tatsächlich ein Teil unserer Jugend verkommt, dann ist dies das Ergebnis einer völlig unfähigen Politik. Einer Politik die an den einfachsten Aufgaben scheitert. Die nicht in der Lage ist, eine einfache und gerechte Steuergesetzgebung wie zum Beispiel das
Kirchhoff-Modell umzusetzen, die ein jetzt schon schlechtes und ungerechtes Gesundheitssystem mit einem Vehikel namens Gesundheitsreform vollends an die Wand fährt und so weiter und so weiter. Wie können Sie auch nur ansatzweise
glauben, dass so eine Politik in der Lage ist, bei Konflikten richtige Entscheidungen zu treffen.

> Die jungen Männer haben viel zu oft keine Perspektiven sei es mangels
> Ausbildungs-/Arbeitsplätzen oder weil sie aus sozialen Brennpunkten stammen.

Ja, eben! Und warum gibt es wohl zu wenig Ausbildungs- und Arbeitsplätze und so viele soziale Brennpunkte? es kann doch nicht im Ernst Ihre Aufgabe sein, die Folgen einer völlig unfähigen Politik dadurch wieder auszubügeln, indem Sie Jugendlichen militärische Werte beibringen.

> Ich habe nun schon so viele Beispiele gesehen in denen z.B. ein junger Kerl
>  mir sagte er wolle nicht zum Bund, er bekommt lieber Hartz4, das ist mehr
>  Geld und er muss weniger dafür tun und kann ausschlafen.

Und wer erzeugt diese Einstellung? wer hat Hartz4 eingeführt? wer so einen Blödsinn einführt, darf sich doch nachher nicht wundern, wenn auch benutzt wird.

> Diesen Buben hat man nicht ausgemustert, er hat am 01.06.06 seinen
> Wehrdienst angetreten. Er hatte sich halt nicht blöde genug angestellt.
> Als ich ihn vor ca. 4 oder 5 Wochen traf und ihn fragte ob er sich schon
> darauf freue wieder abzuhängen bis früh morgens und sein bisschen
> Geld vom Amt zu bekommen. Da hat er mir verraten das er eigentlich
> ganz glücklich ist mit dem was er jetzt macht. Ihn stört zwar, dass er
> noch von allen Dienstgraden herumgescheucht wird, aber das bringt ihn
>  auf Trap und auch er wird verlängern und Zeitsoldat werden. Sein Spieß
> hat sich lange für ihn Zeit genommen und macht aus ihm nun einen Unteroffizier.

Traurige Geschichte, was die Perspektivlosigkeit aus manchen Menschen macht.

> Er wird während seiner Dienstzeit eine Ausbildung machen und wird somit als
> Zivilist einen Facharbeiterbrief in den Händen haben. Er wird Ziele haben.
> Er wird das erste mal in seinem Leben eine Chance auf ein unabhängiges Leben
> haben und nicht in diesem (ich bitte den Ausdruck zu entschuldigen) Ghetto
> versauern und der Kriminalität und den Drogen verfallen.

Wie oben schon beschrieben, positive Nebenwirkungen.

> Ich hoffe ich habe sie zum Nachdenken bewegt und sie werden dem ein oder
> anderen jungen Mann nahelegen den Dienst in der Armee als Alternative, als
> Möglichkeit anzusehen. In jedem Fall würde mich ihre Meinung interessieren.
>
> Hochachtungsvoll
> XXXXX

Sie sehen, ich habe mir ausführliche Gedanken gemacht und ich denke, Sie werden sich nun auch welche machen. Ich bin sehr gespannt, was Sie mir zurück schreiben. Ich wollte an dieser Stelle noch eine abschließende Zusammenfassung schreiben, aber ich denke, das meiste habe ich in meinen Kommentaren schon geschrieben. Nochmal ein paar stichwortartige Fakten vielleicht:

Nur ganz wenige Menschen kennen die wahren Hintergründe, warum militärische Konflikte überhaupt stattfinden. Nur ein klitzekleines Beispiel: angenommen, der dumme Bush greift den Iran an, was glauben Sie warum? Die Weltöffentlichkeit glaubt (so wie sie soll) wegen der Atomanlagen, der Urananreicherung. Das wenige Material, was der Iran aber besitzt,
beziehungsweise was er aus seinen nicht wirklich besonders Uranhaltigen Bergen herausbuddeln kann stellt für die Weltgemeinschaft doch keine wirkliche Gefahr dar. Doch wie hingegen sieht es mit der vom Iran geplanten Euro-Erdölbörse aus? Wenn der Iran diese einführt, verliert der Dollar als Leitwährung der Welt eindeutig an Bedeutung. Können Sie sich die wirtschaftlichen Folgen für Bush und seine Kumpels (allesamt Mitbesitzer riesiger Konzerne) ausmalen? Und so gibt es tausende Beispiele. Und wie sooft werden tausende GI´s im Glauben, für ihr Vaterland zu kämpfen wie im Irak ihr Leben lassen. Deutsche Politik ist derzeit nichts anderes als ein “Wasserträger” für die amerikanische Machtelite. An unseren Landesgrenzen gibt es nichts zu verteidigen. Wozu also “dienen” Sie? Ihr Weltbild und Ihre Arbeit geben Ihnen Sicherheit und Auskommen, ich habe nicht das Recht, Ihnen dies kaputt zu machen, sofern ich dies überhaupt könnte. Trotzdem erlaube ich mir, unten an meine Mail ein paar Texte anzufügen, die Sie ein wenig weiter sehen lassen. Diese habe ich im Jahre 1997 zusammengetragen, also lange vor den “Terror”anschlägen des 11.9.2001. Sie zeigen ein wenig, wohin
die Reise geht. Machen Sie sich beim Lesen immer bewusst, dass die Texte vier Jahre vor den großen “Terror”anschlägen geschrieben wurden. Das Thema Militarismus und Krieg wird auch behandelt. Falls Sie Interesse an weiteren Materialien haben, die Sie weitersehen lassen, empfehle ich Ihnen den Film “Terrorstorm” von Alex Jones. Er zeigt fantastisch, wie Kriege inszeniert werden. Wenn Sie ihn mir zurückschicken, leihe ich ihn Ihnen gerne aus.

Ihrer Antwort gespannt entgegensehend, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Peter Zickenrott

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