Jahrelang wurden wir durch die Presse belogen. “Nur jeder zweite tauglich Gemusterte wird eingezogen” usw. usw. bekamen wir in schöner Regelmäßigkeit auf´s Brot geschmiert.
Natürlich habe ich nicht die Möglichkeit, statistisch präsentierte Zahlen zu widerlegen, äußerte mich hierzu aber immer skeptisch. Dies begründete sich darin, dass das, was ständig in der Presse zu lesen war, sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen aus meiner täglichen Arbeit deckte.
Insbesondere in den letzten Monaten erlebte ich eine drastische Verschärfung des Umgangs der Bundeswehr mit ihren “Opfern”. Es wurden Leute gnadenlos einberufen, bei denen die Bundeswehr zu früheren Zeiten eher Ausnahmen gemacht hätte. Somit befürchtete ich schon länger, dass hier “etwas im Busch” ist und sich möglicherweise eine Verschärfung der Musterungsrichtlinien ankündigt. Hierzu verweise ich auch auf meinen Blogbeitrag vom Mai 2007 zum Thema “Verschärfung der Musterungsrichtlinien zu erwarten?”. In diesem Beitrag nahm ich auch zu den Geburtsstatistiken stellung.
Auch wenn ich es in diesem Fall hasse, entgegen allen Kritikern wieder einmal mehr recht zu behalten, heute erschien die erste öffentliche Bestätigung dessen, was ich schon immer behauptete: die Bundeswehr hat zu wenig Rekruten.
So steht in der heutigen (26.5.2008) Ausgabe des Spiegel (Nr. 22) auf S. 15 unter der Überschrift “Wehrpflicht” folgendes zu lesen (ich zitiere):
Eher tauglich
schlechte Aussichten für junge Männer: Die Chancen, mangels körperlicher Fitness keinen Wehr- oder Zivildienst leisten zu müssen, werden sich demnächst verschlechtern. Der Grund: Das Verteidigungsministerium prüft, die erst 2004 verschärften Tauglichkeitsregeln wieder zu lockern. (Anmerkung P.Z.: Die betrachten das natürlich umgekehrt, für die bedeutet eine Verschärfung das, was für die Wehrunwilligen eine Lockerung bedeutet)
Weil sich der Bedarf an Rekruten und Freiwilligen sonst nicht mehr decken lässt, sollen künftig auch wieder Männer der früheren Tauglichkeitsstufe T3 eingezogen werden, die nach derzeitiger Regelung als dienstunfähig gelten. Ursache ist der Geburtenrückgang, der nach der Wiedervereinigung im Osten der Republik dramatische Ausmaße angenommen hat: 1989 wurden in den östlichen Bundesländern noch mehr als 100.000 Jungen geboren, die theoretisch für den Militärdienst in Frage kämen. Im Jahrgang 1992, der bald zur Musterung ansteht, waren es laut einer Statistik des Wehrressorts weniger als halb so viele - rund 44.000.
Weil auch im Westen weniger junge Männer zur Verfügung stehen, sind laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) “wichtige Weichenstellungen” erforderlich, damit die Armee die “scharfe Konkurrenz mit der Wirtschaft um die Anwerbung von Nachwuchs” bestehen könne. Zitat Ende.
Was fällt einem dazu noch ein? Gerade der Spiegel, das inoffizielle “Sprachrohr” der Wehrpflichtbefürworter-Partei CDU, der oft genug darüber berichtete, wie leicht es doch sei ausgemustert werden, macht eine Kehrtwende. Für mich bedeutet dies im Klartext nichts anderes, als dass wir nur zu einem Zweck lange Zeit belogen wurden: Die Betroffenen sollten sich in falscher Sicherheit wiegen und möglichst unvorbereitet in der Hoffnung, auch so ausgemustert zu werden, zur Musterung gehen und so der BW auf den Leim kriechen.
Nun scheint selbst diese Masche nicht mehr zu genügen und die Tauglichkeitsrichtlinien müssen sogar wieder verschärft werden. Dies beunruhigt mich natürlich in keinster Weise, da meine Kunden die Ausmusterung so oder so sicher erreichen. Was mir viel mehr Sorgen bereitet ist der Umstand, dass wir von der Presse und von der Politik immer dreister belogen werden, getreu nach dem Motto “was interessiert mich mein Geschwätz von gestern”. Und dies ist nicht nur bei diesem Thema der Fall, ich könnte viele aufzählen: der angeblich vom Menschen verursachte Klimawandel, die in Wirklichkeit nicht existierende Terrorgefahr, die ständig falschen Gründe für alle möglichen kriegerischen Konflikte usw.usw..
Die Ohnmacht gegenüber diesen Machenschaften, das ist es, was mich so wütend macht. Nur im Kleinen (bei meinen Kunden) etwas bewegen zu können, wo es doch so notwendig wäre, dass große Dinge bewegt würden.
Freundliche Grüße
Peter Zickenrott